Innovation & kommende Trends

Ein transatlantisches Gespräch mit Jonas / @germandank42o

Kapitel 3 - Was auf Europa zukommt


Nachdem wir uns in unserem Beitrag „Cannabis Branding in Deutschland“ mit der Frage beschäftigt haben, welche kulturelle und visuelle Identität dieser Markt entwickeln könnte, geht Kapitel 3 einen Schritt weiter.

Gemeinsam mit Jonas sprechen wir darüber, welche Trends wirklich relevant werden, welche Chancen Deutschland hat und warum die Zukunft nicht denen gehört, die am schnellsten kopieren, sondern denen, die etwas Eigenes aufbauen.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf beginnt unser Gespräch.

Welche Produkte dominieren aktuell tatsächlich den Markt, unabhängig von medialer Darstellung?

Flower, Vapes und Pre-Rolls. Vape Pens haben in einigen Teilen Kaliforniens inzwischen sogar Flower überholt. Dazu kommen infused Pre-Rolls, die zunehmend Relevanz gewinnen. THC-Drinks werden medial stark gepusht und wachsen auch — aber gemessen am Gesamtmarkt sind sie noch eine überschaubare Kategorie. Der Hype ist oft größer als der tatsächliche Anteil.

Verschiebt sich der Fokus von THC Maximierung hin zu Terpenen, Wirkung und Gesamtqualität?

In den Teilen des Marktes, die wirklich tief in Genetik und Selektion arbeiten - ja, klar. Beim HSC Pheno Hunt letztes Jahr, an dem ich teilgenommen habe, ging es jedenfalls nicht einfach um THC Werte.

Die entscheidenden Fragen waren andere: Wie riecht die Pflanze wirklich? Was ist das Terpenprofil? Wie ist die Wirkung? Wie performt die Genetik beim Hashwaschen?

Im Mainstream bleibt THC ein starker Türöffner. Aber in den qualitätsorientierten Teilen des Marktes - bei Züchtern, Pheno Hunts, erfahrenen Konsumenten - gewinnen Terpene, Washability und Gesamtcharakter klar an Bedeutung. Das eine verdrängt das andere noch nicht komplett. Aber die Debatte ist heute deutlich reifer als noch vor wenigen Jahren.

Welche Innovationen werden Europa wahrscheinlich mit zeitlicher Verzögerung erreichen?

Eine konkrete Prognose ist schwer, aber die Richtung ist erkennbar.

Solventless Produkte, Live Rosin, Hash Rosin basierte Formate und alles, was mit Washer Genetiken zusammenhängt, sind in den USA längst keine Nerd Nische mehr.

Diese Entwicklung hat eine eigene Logik, sie hängt an Genetik, Selektion und Produktionskultur; nicht nur an Marketing.

Das wird kommen.

Welche Trends sind kurzfristiger Hype und welche werden bleiben?

Kurzfristiger Hype ist vieles, was sich primär über Verpackung oder Social Media Buzz verkauft - Formate und Produkte, die plötzlich überall auftauchen, aber keine tiefere Logik dahinter haben.

Bleiben werden Dinge, die echten Mehrwert liefern.

Hash und Extrakte. Vor allem Solventless, Live Rosin und alles in Richtung Washer Genetik würde ich klar als bleibenden Trend einordnen.

Man sieht am US Markt, dass sich immer mehr Brands und Produktlinien über Claims wie Hash Rosin, Cold Cure, Rosin Carts oder Solventless Disposables positionieren. Was dafür spricht, dass das bleibt: Es hängt nicht an Marketing, sondern an einem strukturellen und kulturellen Shift in der Branche.

Wo siehst du die größten Chancen für Deutschland im Vergleich zu Kalifornien?

Ganz klar bei den Clubs. Das CSC Modell ist strukturell etwas, das Kalifornien in dieser Form nicht hat.

Ich bin gespannt, was die in den nächsten Jahren daraus machen werden und ob Deutschland die Chance nutzt, die darin steckt.

Abschluss und Persönliche Empfehlung

Welche konkreten Empfehlungen würdest du CSCs und privaten Growern geben, die hochwertige, auch kalifornisch inspirierte Genetiken kultivieren möchten?

Mein Rat: Schaut nicht nur auf den Hype: sondern darauf, wer wirklich eine echte Identität mitbringt und nachweisbare Erfahrung hat. In den USA gibt es Brands, die einfach laut sind. Und es gibt Brands, die über Jahre echte Arbeit in Genetik und Selektion gesteckt haben. Genau auf Letztere würde ich schauen.

Priorisiert Qualität statt maximalem Ertrag. Wählt Genetiken sorgfältig. Investiert in saubere Trocknungs- und Verarbeitungsprozesse. Habt Geduld. Tauscht Wissen innerhalb eurer Community aus, das ist euer stärkstes Asset. Und passt alles an eure konkreten Bedingungen an: europäisches Klima, europäisches Recht, europäische Kultur.

Wenn du Deutschland heute nur einen einzigen Rat geben könntest, welcher wäre das?

Schützt Qualität, Kultur und kleine Strukturen - bevor der Markt nur noch nach Kapital, Skalierung und Standardisierung funktioniert.

In dem Moment, in dem nur noch Größe und Effizienz zählen, geraten genau die Menschen unter Druck, die Wissen, Genetik, Handwerk und Kultur überhaupt erst aufgebaut haben.

Deutschland hat gerade noch die Chance, etwas Eigenes zu entwickeln: mit CSCs, Homegrow, echter Community, echtem Wissensaustausch.

Genau das würde ich schützen. Denn wenn diese Basis einmal verloren geht, lässt sie sich später nur schwer zurückholen. Das zeigt die Entwicklung in Kalifornien sehr deutlich.

Mit diesem Kapitel endet unsere Gesprächsreihe mit Jonas / @germandank42o.

Wir bedanken uns herzlich für die Zeit, die offenen Einblicke und die Perspektiven, die er mit uns geteilt hat. Die Gespräche haben gezeigt, dass die Zukunft von Cannabis nicht allein durch Regulierung oder Produkte geprägt wird, sondern durch die Menschen, Ideen und Haltungen, die diesen Markt gestalten.

Danke, für das Vertrauen und den Austausch. Wir sind gespannt, wohin die Reise geht.

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